Seit einigen Wochen regt sich Leben in der Breiten Straße 20: Seit Mitte Oktober ist das grüne Eckhaus das vorübergehende Hauptquartier von „Transition Thrive – Wachstumsschub für Klimaschutz von unten“, dem neuen Projekt von hebewerk e.V. und der Eberswalder Initiative wandelBar. Gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), wird sich dieses Projekt in den kommenden zwei Jahren einer anspruchsvollen Aufgabe widmen: die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Eberswalder Alltag zu etablieren. 

Die beiden jungen Frauen, die diese Aufgabe seit Oktober mit zwei halben Stellen übernehmen, wissen, was sie tun – geht es hier doch um ihre eigene Region. Die Eberswalderin Anja Neumann ist im vorigen Jahr zum Ende ihres Studiums in ihre Heimatstadt zurückgekommen – aus voller Überzeugung, wie sie sagt. Angezogen hat sie nicht nur das bunte Stadtbild, das seit einigen Jahren neben den altbekannten Gesichtern zunehmend von Studierenden, jungen Familien und Zugezogenen geprägt ist. Auch die vielen kleinen und größeren Projekte und Veranstaltungen – zu umweltrelevanten Themen sowie im kulturellen Bereich - haben sie zurück gelockt. Auch Ulrike Gatz, die Unternehmensmanagement im Bachelor an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung studiert hat, ist in der Region aufgewachsen. Bereits während ihres Studiums hat sie sich aktiv für den ALNUS e.V. (Arbeitsgemeinschaft für Landschaftsnutzung, Naturschutz, Umweltbildung und Stadtökologie) und in den hebewerk-Räumen in der Havellandstraße 15 engagiert und war begeistert von der Offenheit, auf die sie dort stieß. Unterstützt werden beide von ihrem Maskottchen Willi Wandel, einem bunten Glücksschweinchen aus Pappmaché.

Das Vorhaben, Klimaschutz in Eberswalde nachhaltig zu verankern, ist nicht neu: Durch die Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) hat das Thema Klima- und Umweltschutz in Eberswalde und im Barnim eine starke Präsenz entfaltet. Darüber hinaus sind in den letzten Jahren zahlreiche Eberswalder Initiativen entstanden, die sich in unterschiedlichster Weise für ein nachhaltiges und klimagerechtes Leben in der Stadt einsetzen. Für viele von ihnen stellt der Verein hebewerk e.V. seit 2013 Ressourcen, Räume und Netzwerke zur Verfügung. Mit dessen Unterstützung konnten unter anderem ein RepairCafé, ein Labor für Biotechnologie und eine offene Werkstatt in der Havellandstraße 15, das „Schöpfwerk“ in der Schöpfurter Straße 5 und der Tausch-, Leih- und Schenkladen in der Eisenbahnstraße 69 realisiert werden.

Der Grundgedanke hinter all dem: Räume und Werkzeuge zu schaffen, um EberswalderInnen die Möglichkeit zu geben, gemeinschaftlich ihre Ideen und Projekte zu verwirklichen. Dabei wird wertvolles Wissen vermittelt und ausgetauscht - was wiederum zu tollen neuen Vorhaben inspirieren kann.

Fünf Inhalte stehen im Zentrum des „Transition Thrive“-Projekts in den nächsten zwei Jahren an:

Klimaneutrale Mobilität. Ziel ist die Weiterentwicklung des Lastenrad-Projekts, das im vergangenen Frühling von hebewerk- und wandelBar-Mitgliedern initiiert wurde und bereits gut angelaufen ist. Gegen eine geringe Leihgebühr soll der stadtweite Verleih von Lastenrädern möglich sein. Drei solcher Lastenräder sind bereits unter fachlicher Anleitung von Ehrenamtlichen gebaut worden, weitere sollen hinzukommen. Aktuell können Lastenräder auf Nachfrage bei Globus Naturkost in der Michaelisstraße, im Regionalladen „Krumme Gurke“ in der Ruhlaer Straße sowie über hebewerk e.V. ausgeliehen werden. Die Leihgebühr wird für die Instandhaltung der Räder verwendet.

Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi). Hinter dem SoLaWi-Prinzip verbirgt sich der Ansatz, einen direkten Vertrieb von landwirtschaftlichen Produkten aus der Region an VerbraucherInnen zu ermöglichen, ohne dabei den Schritt über Zwischenhändler wie Supermärkte, Läden o.Ä. zu gehen. Durch die direkte Vermittlung der Landwirtschaftsprodukte, die auf einer persönlichen Vereinbarung zwischen Erzeuger und Verbraucher basiert, kann einerseits die existenzielle Sicherheit des Landwirtschaftsbetriebs gestärkt werden, andererseits die frische, regionale und ökologische Herkunft der Lebensmittel für die VerbraucherInnen garantiert werden. Momentan besteht eine Zusammenarbeit mit dem Hof „Gemeinsam Gut Leben“ von Gabi und Friedemann Wolf in Luisenfelde bei Klein Ziethen, deren Kisten mit Gemüse und Kräutern jeden Donnerstag zwischen 16:30 und 18:30 Uhr im Projektbüro in der Breiten Straße 20 verteilt werden.

Die essbare Stadt. Dieser Projektinhalt folgt der Vision, städtische Freiflächen wie Parks, Vorplätze und Wiesen in Eberswalde „essbar“, also nutzbar zu machen. Nach diesem Konzept, das bereits in vielen deutschen und internationalen Städten erfolgreich umgesetzt wurde, können ungenutzte Flächen durch Streuobstgehölze und Blumen, Insektenhotels, Sitzbänke und Ähnliches gestaltet werden. So holen sich die BürgerInnen ihre Stadt zurück und betreiben gleichzeitig aktiven Klimaschutz: Jede der bepflanzten Flächen – als Lebensraum für Insekten und CO²-bindende Pflanzen – leistet dazu einen wertvollen Beitrag. Für die „Essbare Stadt“-Initiative in Eberswalde, auf deren Grundlage unter anderem Flächen im Leibnizviertel und am Treidelweg gestaltet werden konnten, sind bereits konstruktive Gespräche für eine mögliche Kooperation mit der Stadt und der WHG aufgenommen worden. Auch der Neue Blumenplatz vor dem Humboldt-Gymnasium in der Werner-Seelenbinder-Straße folgt diesem Ansatz. Weitere Flächen und Projektschritte sind in Planung, neue Ideen und anpackende Hände jederzeit willkommen.

RepairShare. Ermöglicht wird das gemeinschaftliche Reparieren, Nutzen und Ausleihen von Geräten und Werkzeugen in den offenen Räumen des hebewerks (Termine und Orte siehe http://hebewerk-eberswalde.de/kalender/). Hiermit wird ein positiver Gegenentwurf zur zeitgenössischen Wegschmeißen-Neukaufen-Mentalität angeboten.

Nachbarschaftliche Energieberatung. Gefördert werden soll die nachbarschaftliche Beratung und der Austausch zur gemeinsamen Optimierung des Energie- und Ressourcenverbrauchs. Für diese beiden Inhalte bestehen erste Ideen und Konzepte, die in den kommenden zwei Jahren im Rahmen des Projekts unter aktiver Beteiligung der EberswalderInnen ausgebaut und umgesetzt werden sollen.

Neben den genannten Inhalten versteht sich das Projekt als Ansprechpartner und Vernetzungsstelle für ehrenamtliche Einzelpersonen, Gruppen und Projekte, die sich für Nachhaltigkeit, Klima- und Ressourcenschutz in Eberswalde stark machen möchten. Wer dafür Unterstützung oder Beratung benötigt oder sich genauer über das Projekt informieren möchte, kann sich gern an die beiden Projektmitarbeiterinnen Ulrike Gatz und Anja Neumann wenden.

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Telefon: 0157/74313009 ) Internet: http://hebewerk-eberswalde.de/transitionthrive-wachstumsschub-fuer-klimaschutz-von-unten/

Projektbüro Breite Straße 20 | 16225 Eberswalde

Öffnungszeiten: Mo 10:00 – 14:00 Uhr, Mi 10:00 – 14:00 Uhr, Do 14:00 - 18:30 Uhr

ERNEUER:BAR